Archivist – Construct

archcom

Da die Band zu einem Teil aus den Überresten von Fall of Efrafa und Lightbearer besteht, wird es sicherlich wieder ein paar Musikexperten geben, die uns das ganze als Neo-Crust oder Post-Black-Metal verkaufen wollen. Dabei bieten Archivist auf ihrer zweiten LP ein musikalisches Allerlei, welches sich vielleicht am ehesten mit Space-Blackgaze-Post-HC-Metal beschreiben lässt. Das ganze klingt dann in etwa so als hätten Envy sich an chinesischen Blackgaze ala Dopamine versucht und sich in den langsamen Parts stark von Rosetta beeinflussen lassen. Hin und wieder schimmert auch die musikalische Vergangenheit der beteiligten Bandmitglieder*innen durch, sodass es stellenweise doch ein bisschen an Lightbearer, Amber und FOE erinnert. Anfangs hat mich der Doppelgesang etwas verwirrt, zumal dieser nicht abwechselnd sondern gleichzeitig und gelegentlich leicht versetzt erklingt und sich dadurch mitunter wie missglückte Gangshouts oder „zu viel halbnasser Hall“ auf den Vocals anhört. Ab Lied drei bekommt die beiden Stimme dann jedoch etwas „mehr Raum“ für sich selbst. Das ist auch der Zeitpunkt an dem das Album seine wahren Qualitäten offenbart. Textlich bekommt ihr hier melancholische Selbstreflexion im Wechsel mit lyrischer Sozial-, Gesellschafts- und Religionskritik geboten. Schön verpackt in eine „Konzept-Geschichte“, die (sofern ich diese richtig verstehe) von den Gedanken einer Gruppe Menschen berichtet, welche die Erde aus Resignation vor der Gier und Kurzsichtigkeit ihrer Mitmenschen verlassen hat, dadurch unbewusst eine verheerende Naturkatastrophe überleben konnte und nun, in der relativen Sicherheit ihres Raumschiffes, als letzte überlebende Erdenbewohner*innen durchs Weltall trudeln. Ansonsten hält die Platte einen vielseitigen, atmosphärischen und mehr als glaubwürdigen Mix aus Ruhe und Krach, Wut und Verzweiflung, Resignation und Hoffnung, Melodie und Blast-Beats, Klar-Gesang und Geschrei für euch parat.  Meiner Meinung nach ein wirklich sehr gutes und abwechslungsreiches Album, welches nicht nur versucht ein gut funktionierendes Konzept zu kopieren, sondern durchaus innovativ und eigenständig daher kommt. Das post-apokalyptische Artwork stammt übrigens wieder einmal aus der Zeichenfeder von Alex (Archivist, Lightbearer, FOE) und ist nicht nur dadurch ein echtes Kunstwerk für euer Plattenregal.

Favorite Songs:
The Reconstruction
Property?

Das Album bekommt ihr ab Mai bei Alerta Antifascista Records als Doppel-LP/CD, oder ab sofort als Download auf der Bandcampseite von Archivist.

Wenn ihr die Band  Live erleben wollt, solltet ihr eine der folgenden Möglichkeiten nutzen:

05.05.2017   Berlin   Miss The Stars Festival
16.06.2017   Hannover   LKA w/ THE PYRE (DE)
17.06.2017   Kiel   Kiel Explode Festival #7
18.06.2017   Münster   Baracke w/ WOMEN IS THE EARTH (USA) + NO SUN RISES (DE)
19.06.2017   Liege   La Zone
20.06.2017   Esslingen   Komma
21.06.2017   Bremgarten   Kuzeb
22.06.2017   Innsbruck   Cafe Decentral
23.06.2017   München   Kafe Kult
24.06.2017   Wien   Chelsea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*